War Elisabeth Beling, 1650 Stifterin der Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche in Schleswig eine geborene "von Frechter"?

von Falk Ritter, Schleswig,, am 7.11.2007
letzte Änderung am 3.4.2008

Kurze Zusammenfassung der Veröffentlichungen von Philipsen, Bejschowetz-Iserhoht, Darius, Ellger, Radtke 1)
Elisabeth wurde am 7. Januar 1595 an einem unbekannten Ort geboren. Über ihr Elternhaus ist nichts bekannt. In ihrer Jugend war sie ein unbemitteltes Fräulein, das sich in Schleswig den Unterhalt als Gesellschafterin verdiente. Weil sie jeden Sonntag wegen des Kirchganges wie alle Friedrichsberger den langen Weg nach Haddeby in Kauf nehmen mußte, soll sie geäußert haben, "daß, wenn sie wohlhabend werden sollte, sie für Friedrichsberg eine eigene Kirche wolle erbauen lassen". Sie heiratete den Offizier Bonifacius Beling, der in dänischen Diensten stand. Vermutlich hielten sich beide von 1623 bis 1624 in Rendsburg auf.
1625 wurde ihr gemeinsamer Sohn Oswald bei Itzehoe geboren.
1630 verstarb ihr Mann.
Sie lebte bis 1639 auf dem Gut Bekhof / Itzehoe bei Hieronymus Plesse. Für ihre Dienste als Hausdame erhielt sie insgesamt 1800 Thaler. Als er 1639 starb, vererbte er dem von ihm adoptierten Oswald 3000 Thaler. Diesen Betrag mußte Elisabeth in Gerichtsprozessen gegen die anderen Plesse-Erben verteidigen.
1641 kam Oswald für zwei Jahre an den Gottorfer Hof als "ein fürnehmer junger Holsteinischer Studente / Namens Oswald Beling / umb die Fundamenta in den Mathematischen Künsten / fürnemblich was zum Kriegeswesen zu studieren." Bekannt wurde sein Lobgedicht auf Herzog Friedrich III. 1643 schrieb er Pyramis, "verdeutschte Waldlieder oder Hirten Gesprech", das Adam Olearius 1649 im Druck herausgab.
1642 trat er als Offizier in dänische Kriegsdienste ein.
1646 starb er in Kassel an Pocken.
1647 wurde Elisabeths Schwester (Name unbekannt) eine Tochter namens Anna Stammer geboren, die 1652 verwaiste, sodass Elisabeth Beling sich um sie kümmerte. Anna Stammer soll noch eine 15 Jahre ältere Schwester namens Elisabeth gehabt haben.
1649 stiftete Elisabeth Beling der Rendsburger Marienkirche einen Altar, den man heute noch bewundern kann. Dazu zwei bronzene Altarleuchter und ein Legat zur Besoldung des 2. Predigers.
1650-1652 hatte sie bei der Gottorfer Rentekammer 4000 Thaler angelegt, für die sie zwischen 6 und 7 % Zinsen erhielt. 1650 stiftete sie die Friedrichsberger Kirche incl. zweier Glocken. Wieviel Geld sie das kostete, ist unbekannt. Da ihr Geld nicht ausreichte, legte der Herzog noch einmal 780 (350 plus 20 ?) Thaler drauf, der Schleswiger Adel gab 1332 (932?) Thaler. Eine Zwangskollekte ergab 2016 Thaler. 1663 stiftete sie ein Legat über 100 Thaler zur Unterhaltung des Pastors im Friedrichsberg 1655 erhielt sie im Friedrichsberg ein Haus geschenkt, das sie der Kirche weitergab und das als Armenhaus diente. Das alte Pastorathaus kaufte sie für 275 Reichsthaler. Für das Cantorat bzw. Schulhaus bezahlte sie 208 Reichstaler. Für ein Armenhaus in Satrup zahlte sie 2200 Thaler, für seinen Unterhalt gab sie jährlich 50 Mark Lübsch.
Die gefundenen Geldbeträge sind unvollständig und in vielen Punkten widersprüchlich, je nachdem, welche Quelle verwendet wurde.
Der Verfasser hat nicht versucht, die Zahlen in den Originalakten nachzuprüfen, weil sie für seine Untersuchung nur untergeordnete Bedeutung haben.
Elisabeth Beling starb am 24.11. 1679.

Woher stammte das Vermögen von Elisabeth Beling?
Über den Nachlaß ihres 1630 verstorbenen (gefallenen) Mannes Bonifacius ist nichts bekannt. Wir wissen aber, dass sie bei Plesse von 1630 bis 1639 1800 Thaler verdiente. Dazu kamen im Jahre 1639 die 3000 Thaler für ihren Sohn Oswald. Nimmt man an, dass sie jährlich 200 Thaler verdiente, bei freier Kost und Logis, dazu die 3000 Thaler im Jahre 1639, so wuchs ihr Vermögen bei einer jährlichen Verzinsung von 6,5 % bis zum Jahre 1650 auf ca. 11.000 Thaler an. Wenn sie den uns unbekannten Nachlaß ihres Mannes zur Deckung des Lebensunterhaltes verwenden konnte, so standen die 11.000 Thaler voll zur gemeinnützigen Verfügung.
Wieviel Wert hatte dieses Geld? In den Schleswiger Nachrichten wurde am 10.4.2006 über einen Münzfund in der Haseldorfer Marsch berichtet. Er betrug 76 Thaler, welche im Jahre 1627 vergraben worden waren. Davon konnte man sich 7 Pferde kaufen, die heute ca. 24.500 Euro kosten. 11.000 Thaler entsprächen dann 3,5 Millionen Euro. Der Verfasser hält es durchaus für möglich, dass sie einen Teil ihres Vermögens auch bei Hamburger Kaufleuten investierte, um möglichst hohe Renditen zu erzielen.


Woher stammte Elisabeth Beling?
Hier gibt es zwei mögliche Ansätze für die Suche.
1. Elisabeth Beling hatte zwei Nichten namens Anna und Elisabeth Stammer, die von ihrer Schwester abstammten. Es wurden einige Stammer im 16. Jahrhundert im Umkreis von Schleswig ausfindig gemacht:
- Der Kaplan Johann Stameren in Gettorf 1503-1504 2)
- Der Klosterpropst von Bordesholm Marquard Stamer 1567 3)
- Zwei Pastoren in Treia 1558 und 1595, die beide Johannes Stamerus hießen. 4)
- Der Kaufmann Hans Stammer in Flensburg 1603 stammte aus Treia. 5)
Dass vier von fünf Stammers Geistliche waren, nährte den Verdacht, dass auch Elisabeth einer geistlichen Familie entstammt sein könnte. Die vielen Geistlichen mit dem Namen Stammer sind aber nur ein Beweis dafür, dass es über Geistliche mehr schriftliche Überlieferungen gibt als über Nichtgeistliche. In keinem Falle konnte eine Verbindung zu Elisabeth Beling hergestellt werden.
2. Elisabeths Ehemann hieß Bonifacius Beling und war Offizier in dänischen Diensten. Zu Beginn des 30-jährigen Krieges diente dort auch ein Christoffer Beling. 1) In dem Buch "Die Behlings von Hajen und Polle" (Niedersachsen) konnte kein Bonifacius Beling gefunden werden. 6) Der Name Beling ist relativ verbreitet, so heiratete 1656 der aus Basel stammende Soldat und Kutscher Christoffel Adriaenssen van der Voort in Breda / Holland eine Elisabeth Beling. 7) Die Beling-Spur war somit auch unergiebig.

Die Wappen von Elisabeth Beling
Es gibt mehrere Wappen von Elisabeth Beling:
1. Am Altar in der Rendsburger Marienkirche sind vier Wappen angebracht:
Drei Wappen: Löwe im Schild, Bügelhelm und als Helmzier ein Wilder Mann.
Ein Wappen: Adler im Schild, Bügelhelm, als Helmzier ein Stern.
2. Das Sandsteinportal an der südlichen Seite der Friedrichsberger Kirche:
Ein Wappen: Löwe im Schild, Bügelhelm, ein Wilder Mann als Helmzier.
3. Das hölzerne Epitaph im Innern der Kirche:
Zwei Wappen: Löwe im Schild, Bügelhelm, ein Offizier mit Allonge-Perücke als Helmzier.
Ein Wappen: Kirche im Schild, Bügelhelm und betende Frau als Helmzier.
Die Wappen vom hölzernen Epitaph in der Kirche sind nicht relevant, denn sie zeigen Männer mit Allonge-Perücken, die erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufkamen.
Das häufigste Wappen (4mal) zeigt einen Löwen im Schild, Bügelhelm und einen Wilden Mann als Helmzier. Der Bügelhelm ist ein Hinweis darauf, dass der Wappenträger adeligen Ursprungs war.
Bonifacius Beling war nicht adelig, sodass dieses Wappen der Familie seiner Frau Elisabeth gehören musste.
In den "Hirtengesprächen" schrieb Adam Olearius über Elisabeths Sohn: "O Oswald / Edles Blut / dich kunte nicht vergnügen / Daß dein Stamm löblich war / du mustest dich bemühen" Dies ist ein Hinweis darauf, dass seine mütterliche Linie adeligen Ursprungs sein könnte. Deshalb wurden (alle!) Siebmachers Wappenbücher nach dem Wappen durchgesehen, wobei sich im 4. Teil Tafel Nr. 67 unter "Geedelte" tatsächlich das Wappen von Elisabeth wiederfand. Sein Name lautet "Die Frechter" und zeigt einen Löwen im Schild, Bügelhelm und einen Wilden Mann als Helmzier. Sogar die Farben stimmen mit denen am Rendsburger Altar überein. ( s = silber / weiss, g = golden / gelb) Leider ist dem Wappen keine Familienbeschreibung beigefügt.
Für das Wappen "Adler im Schild, Bügelhelm, ein Stern als Helmzier" konnte keine Entsprechung im Siebmacher gefunden werden.

Woher stammen "Die Frechter" ?
Frechter ist ein altes Wort für "Spediteur" und wird auch heute noch in Österreich als "Frächter" verwendet.
Im deutschen Geschlechterbuch fand sich eine Adelheid Frechter, die 1567 in der Nähe von Zürich verstarb. 8)
Auf der Internetseite von http://www.familysearch.org (Mormonen) fanden sich mehrere Frechter:
1634 in Basadingen bei Thurgau (Fraechter)
1660 in Sulzdorf bei Stuttgart
1696 in Boehten bei Basel
1839 in Huttwil bei Bern
1857 in Ostelsheim bei Stuttgart
1883 in Iselshausen bei Stuttgart
1891 in Calw bei Stuttgart
Somit könnte man annehmen, dass Elisabeth Beling ungefähr aus den Bereichen Stuttgart und nördlicher Schweiz stammt.
Sie war ein junges Fräulein, als sie nach Schleswig kam, also ungefähr 17 Jahre alt. Dann war ihre Ankunft hier etwa im Jahre 1612. Es war also nicht der Dreißigjährige Krieg, der sie hierher verschlug. Sie muss eine sehr gute Erziehung und Ausbildung genossen haben, denn ohne diese hätte sie nie als Gesellschafterin eine Anstellung gefunden. Adelige Familien namens Frechter konnten in Baden Württemberg nicht gefunden werden. 9)
Die Herkunft von Elisabeth Beling konnte somit zwar grob eingekreist, aber immer noch nicht geklärt werden.
Die Prozessakte Beling vs. Plesser-Erben (1640-1643) 10) umfaßt 33 Seiten und ihre Transskription und teilweise lateinischen Übersetzungen beanspruchte etwa einen Monat.
Dabei kam heraus, dass hier kein weiterer Hinweis auf Elisabeth Belings Herkunft zu finden war.
Es wird weiter gesucht im Bereich der nördlichen Schweiz.

Einige neue Bemerkungen zum Epitaph:
Die Holzfiguren auf dem Epitaph in der Friedrichsberger Kirche zeigen folgende Besonderheiten:
- Die weibliche Figur soll Elisabeth Beling darstellen. Sie präsentiert mit beiden Händen ein Objekt, das Pastor Norbert Wilckens als einen prall gefüllten Geldbeutel deutet.
- Sie trägt einen besonderen Hut. Er bestand damals aus Filz, der vermutlich von amerikanischen Bibern gewonnen wurde, was zu der Zeit sehr in Mode war. 10)
- Die senkrechten Streifen auf dem Bild von Elisabeth Beling sind Interferenzen, die bei der Kopie der Fotovorlage entstanden.
- Die beiden Männer auf der rechten Seite sollen ihren Mann und ihren Sohn darstellen. Beide tragen Offiziersuniformen und Allonge-Perücken, die aber erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts üblich waren. Auch sind sich diese beiden Männer nie so begegnet, denn als Bonifacius starb, war sein Sohn Oswald gerade mal fünf Jahre alt.
- Das Holz ist sehr dunkel, sodass es Schwierigkeiten bei der photographischen Belichtung macht. Die Ursache dafür könnte in Folgendem liegen: Sicher standen früher viele brennende Kerzen unter dem Epitaph. Beim Verlöschen entstehen zyklische aromatische Kohlenwasserstoffverbindungen wie Benzol. 11) Dazu steigt Ruß auf. Wenn das Epitaph nur einmal eingeölt wurde, so verbindet sich das Benzol und der Ruß mit dem Öl in der obersten Holzschicht und dunkelt es stark ab.

Herkunft der Bilder:
1. Elisabeth Beling , siehe Anmerkung 2, Seite 29
2. Die Friedrichsberger Kirche (Autor)
3. Tabelle Vermögen ... (Autor)
4. Portalwappen auf der Südseite der Friedrichsberger Kirche (Autor)
5. Wappen in Rendsburg am Altar (Autor)
6. Wappen im "Siebmacher"
7. Zwei Offiziere auf dem Epitaph (Autor)

Anmerkungen:
LAS = Landesarchiv in Schleswig

1. Willy Philipsen: Meinen und Wissen um Elisabeth Beling, die Wohltäterin Satrups und Friedrichsbergs. Jahrbuch Angeln, 1974, Seite 98-107
Marion Bejschowetz-Iserhoht: "in der Vorstadt Cratzenberg *) ... ein Gotteshaus an zu richten und zu verfertigen" - Die Dreifaltigkeitskirche in Schleswig-Friedrichsberg. Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte, Band 46, 2001, Seite 29-39.
Darius, Ellger, Radtke: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schleswig. Bd.3
2. LAS E röm 1 Nr. 4083 Die Kirche und das Kirchspiel Gettorf im ausgehenden Mittelalter. von Kurt Hector, 1961 Jahrbuch Heimatverein Eckernförde, S. 24 Kaplan Johann Stameren 1502-1503 trat zu Pfingsten seine Stelle an.
3. LAS Abt. 7 Nr. 3786 und 3787, Klosterpropst von Bordesholm Marquard Stamer, Prozeß, 1567
4. Matr. d. Schlesw. Stud. 1517-1864, v. Th. O. Achelis
5. Flensburger Bürgerbuch 1602/03 - 1604 St.Marien, Band 1 Seite 1558 -1786, S.145
6. Die Behlings in Hajen und Polle, von Hans Berner, Goldap, Selbstverlag, 1929
7. http://soldaten-genealogie.nl/eeuw17uv.htm
8. Deutsches (schweizerisches) Geschlechterbuch, Band 56, Seite 243
9. Harter, Hans: Adel und Burgen im oberen Kinziggebiet. Studien zur Besiedlung und hochmittelalterlichen Herrschaftsbildung im mittleren Schwarzwald, Freiburg i.Br. / München 1992, 357 S. (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte, Bd.XXXVII), zugl.: Diss. Freiburg i.Br. 1989
Hellstern: Der Ritterkanton Neckar-Schwarzwald 1560-1805. Untersuchungen über die Korporationsverfassung, die Funktion des Ritterkantons und die Mitgliederfamilien, Tübingen 1971 Kollmer, G.: Die Schwäbische Reichsritterschaft zwischen westfälischen Frieden und Reichsdeputationshauptschluß. Untersuchung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Reichsritterschaft in den Ritterkantonen Neckar-Schwarzwald und Kocher, Stuttgart 1979
10. LAS Abt. 7 Nr. 5906
11. Freundlicher Hinweis meines Sohnes Knut

Danksagung
Der Autor dankt Herrn Dr. Gerhard Drebes, Herrn Claus Bill vom Institut für deutsche Adelsforschung,, Herrn Dr. Johann Ottmar und Herrn Pastor Norbert Wilckens für Hilfe bei den Recherchen.

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